An welche Götter glauben eigentlich Menschen? Wird diese Frage Männern und Frauen in Deutschland gestellt, so wird sich unter den Antworten sicherlich häufig der Glaube an den christlichen Gott finden lassen. Ob katholisch oder evangelisch, das Christentum ist die vorherrschende Religion hierzulande. Doch nicht auf der ganzen Welt ist der christliche Glaube so verbreitet wie hier. Zu den Weltreligionen zählen noch so einige weitere Religionen. Eine davon ist der Hinduismus. Doch was ist der Hinduismus eigentlich?
Für diese Frage muss zunächst einmal der Begriff Hinduismus geklärt werden. Denn eigentlich gibt es „den Hinduismus“ gar nicht. Hinduismus bezeichnet eine Vielzahl kleinerer Religionen, die hierunter zusammengefasst werden. Doch bilden diese Religionen eine starke Gemeinschaft: Rund 900 Millionen Gläubige zählt der Hinduismus und ist damit die drittgrößte Religion der Welt. Seinen Ursprung hat er in Indien. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Religion, die ersten Spuren reichen bis 2000 Jahre vor Christus zurück. Seine höchsten und ältesten heiligen Schriften sind die Veden, aber einen Religionsstifter wie im Christentum hat es hier niegegeben. Wie viele andere östliche Religionen glauben Hindus an Wiedergeburt. Diese gilt dabei als leidvoller Kreislauf, aus dem der Mensch sich zu befreien versucht. Im Hinduismus gibt es die Vorstellung einer Urkraft, die weder einen Anfang noch ein Ende hat, universal und allmächtig ist und alles durchdringt.
Diese Kraft wird Brahman genannt. Nach hinduistischem Glauben findet sich ein Teil dieser Kraft, Atman genannt, in jedem Menschen. Sie ist vergleichbar mit unserem Begriff der Seele, jedoch nicht individuell. Um sich aus dem Kreislauf der Widergeburten zu befreien, muss der Mensch Atman aufgeben. Für die Wiedergeburt spielt auch der Begriff Karma eine große Rolle. Karma ist der Glaube, dass jedes Denken und Handeln die Zukunft positiv oder negativ beeinflusst und sich so aus der Lebensführung eines Menschen auch sein Schicksal nach dem Tod ergibt. Obwohl der Begriff Hinduismus verschiedene Strömungen zusammenfasst und es so kein einheitliches Gottesbild gibt, gibt es doch drei Götter, an die alle hinduistischen Strömungen glauben. Einer davon ist der Sonnengott Vishnu, der für Schöpfungskraft und Aktivität steht. Bekannter dürfte jedoch der vielarmige Shiva sein, der Zerstörung und Auflösung verkörpert.
Zuletzt bleibt noch die Göttermutter Schakti zu erwähnen, eine Personifikation des Brahman. Alle drei werden auch oft als Dreiheit dargestellt. Verbreitet ist der Hinduismus neben Indien hauptsächlich in Asien und Südafrika. Jedoch kommt er auch Teilen Südamerikas vor und ist durch Auswanderungen im 19. und 20. Jahrhundert inzwischen sogar in Europa zu finden.